Stadtgeographische Exkursion 2014 - St.Josef-Gymnasium Bocholt - das Kapu

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Stadtgeographische Exkursion nach Düsseldorf: Dienstag, 04.02.2014

Exkursion der Erdkunde-Kurse aus der Jahrgangsstufe Q1

Um die Merkmale einer Stadt, die im Rahmen des Themas „Stadtentwicklung“ im Unterricht längere Zeit behandelt wurden, einmal in der Praxis kennen zu lernen, fuhren die drei Erdkundekurse der Jahrgangsstufe Q1 am 04.02.2014 in Begleitung von Frau Hinsken, Herrn Schuba und Herrn Neumann nach Düsseldorf.

Unsere erste Station war der Stadtteil Gerresheim, wo die verschiedensten Charakteristika einer mittelalterlichen Stadt zu erkennen waren. Wir standen auf dem historischen Marktplatz, der schon im Mittelalter das Zentrum der Stadt darstellte. Hier war auch eine große Kirche zu sehen, die 1236 erbaut wurde. Gerresheim stammt aus der Jungsteinzeit und wurde ca. 870 gegründet, wobei es aber erstmals 1135 urkundlich erwähnt wurde. Von dem 1586 abgebrannten Rathaus ist nichts mehr erhalten geblieben. Uns wurde des Weiteren erzählt, dass Gerresheim früher ein Sumpf- und Moorgebiet war, das den Bürgern Schutz vor Feinden bot. Auch die Stadtmauer diente als Schutzwall, wobei der Verlauf heute nicht mehr vollständig zu erkennen ist. Allerdings ist die Wasserburg Quadenhof bis heute im Osten erhalten geblieben. Sie diente dazu, das Leben außerhalb der Stadtmauern zu beobachten. Gerresheim wurde 1909 nach Düsseldorf eingemeindet und hat aktuell eine Bevölkerungsdichte von 28.000 Einwohnern. Bis heute ist Gerresheim noch dafür bekannt, dass hier die letzte Hexenverbrennung im Jahre 1737 stattfand. Eine Säule vor der Kirche erinnert daran. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Gerresheim ein geeigneter Ort war, um die charakteristischen Merkmale einer mittelalterlichen Stadt zu studieren.

Anschließend fuhren wir mit dem Bus durch die Heyestraße, eine der ältesten Straßen in Gerresheim. Dort fiel sofort die Blockrandbebauung auf, die teilweise große Innenhöfe hinter den Häusern erkennen ließ. Der erste Eindruck war, dass viele Häuser sanierungsbedürftig sind und an vielen Stellen mit Graffitis besprüht waren. Nur vereinzelt waren Vorgärten vorhanden, die jedoch den Gesamteindruck nur geringfügig verbesserten.
Als Nächstes haben wir in einer alten Arbeitersiedlung angehalten, in welcher die Angestellten der ehemaligen Glashütte wohnten. Die Glashütte wurde 1864 von Ferdinand Heye an einer Eisenbahnstrecke gegründet, da Rohstoffe wie Quarzsand zur Herstellung von Glas exportiert werden mussten. Hier befindet sich auch der älteste Bahnhof von Düsseldorf, der heutzutage aber nicht mehr in Betrieb ist, da die Glashütte 2005 geschlossen wurde. Aus diesem Grund sind auch viele Angestellte aus den Arbeitersiedlungen weggezogen, um attraktivere Wohngebiete zu suchen. Die Siedlung wurde ebenfalls von Ferdinand Heye für die Arbeiter erbaut, die dort bis 1918 mietfrei wohnen konnten. Charakteristisch in der Siedlung sind die Uniformität, die hohen Hauseingangsstufen (ehemaliges Sumpfgebiet) und die niedrigen Decken. Jedes Haus besteht aus zwei Wohnungen mit jeweils drei Zimmern, wovon das größte das Schlafzimmer ist, weil dies für die Arbeiter der wichtigste Raum war. Da es bis 1950 keine Toiletten gab und die hygienischen Verhältnisse dort sehr mangelhaft waren, wurden die Räumlichkeiten außerhalb der Arbeit nur als Aufenthaltsort zum Schlafen und Essen genutzt. Nach der Schließung wurden die Häuser verkauft und 1975 unter Denkmalschutz gestellt.

Unsere dritte Stadion war die Innenstadt.  Dort hatten wir dann Freizeit  und sollten in Gruppen drei Straßen lokalisieren. Als erstes gingen wir zum Bertha-von-Suttner-Platz. Dort waren in allen Himmelrichtungen Tore und ansehnlich gestaltete Wasserbecken . Charakteristisch für die Innenstadt fand man dort auch öffentliche Dienstleistungen. Der Platz wirkt wie ein Innenhof. Als zweite Straße haben wir uns für die Königsallee (auch Kö genannt) entschieden. Sie verläuft in nord-südlicher Richtung ins Stadtzentrum von Düsseldorf. Sie ist eine der führenden Luxuseinkaufsstraßen Europas. Man findet dort große breite Straßen, einen Stadtgraben und einen großen Baumbestand.  Angrenzend an die Königsallee findet man die Schadowstraße.  Sie ist eine Einkaufsstraße und beinhaltet eine Vielzahl von Geschäften, Kaufhäusern und Reisebüros. Die Schadowstraße verläuft von West nach Ost im nördlichen Teil des Düsseldorfer Stadtteils Stadtmitte. Sie ist größtenteils mit dem Auto befahrbar und man findet dort viele Straßenbahnlinien.

Die vierte Station, der Medienhafen, war das Highlight des Tages. Die Wandlung von Teilen des Düsseldorfer Hafens nach der Krise hat ein modernes und attraktives Büro- und Wohnquartier für die Branchen Werbung, Kunst und Medien geschaffen.
Denkmalgeschützte Lagerhallen wurden restauriert und mit modernstem IT- und Medienequipment ausgestattet. Heute ist der Hafen geprägt durch Industrie, Logistik, Gewerbe und Dienstleistungen. Man hat das alte unattraktive Hafenbecken, das früher nur als Transportweg für Stahl und Erz genutzt wurde, umstrukturiert und die 4 km² nach und nach neu saniert und renoviert. Deutsche und internationale Architekten haben dem Medienhafen zu überregionaler sogar internationaler Bekanntheit verholfen und einen hochmodernen Ort für Kunst, Kommunikation und Kreativität geschaffen. Heute haben sich dort 600 verschiedene Firmen angesiedelt und insgesamt hat der Medienhafen 6700 Beschäftigte. Viele Büroangestellte finden in den zahlreichen Lokalen, Restaurants oder Bistros einen hervorragenden Mittagstisch und in den Abendstunden wandelt sich der Medienhafen in einen beliebten Party- und Szenetreff.

Ein besonders auffälliges Gebäude ist die „Alubürodose“, diese ist schief gebaut und hat keine rechten Winkel. Es wurde von dem Architekten Frank Gerry entworfen und glänzt, wie im Namen schon zu erkennen, in einem silberigen Aluton. Der „Port Event Center“ soll als Abschluss des Wasserbeckens gelten und den Blick des Medienhafens abrunden. Das Gebäude wirkt wie ein Riegel oder ein großes L, da die Dachterrasse größer ist, als das Gebäude selbst. Ein anderes Kunstwerk ist ein Gebäude, welches von außen mit sogenannten „Flossis“ abgedeckt ist, die in verschiedenen Farben an der Außenfassade des Gebäudes hangeln. Dieses Kunstwerk wurde von der Künstlerin Rosalie entworfen und war ursprünglich nur für eine Ausstellung gedacht. Insgesamt sind noch viele andere stilvolle und moderne Kunstwerke zu erkennen, die von Touristen durch Event-, Foto- und Gastrotouren besichtigt und bestaunt werden können.

Die letzte Station des Tages steht ganz im Gegensatz zum Medienhafen, nämlich die Großwohnsiedlung in Ratingen-West. Diese ist 9 km von der City entfernt, grenzt im Westen an die A52 und im Osten an ein Industriegebiet. Die Großwohnsiedlung ist 1966 entstanden und langsam gewachsen. Die beiden Daseinsgrundfunktionen „Wohnen“ und „Arbeiten“ stehen im Vordergrund. Ursprünglich sollte die Siedlung als Naherholungsgebiet dienen, doch Mitte der 80er Jahre standen hierfür keine finanziellen Mittel mehr zur Verfügung. Viele Merkmale einer Großwohnsiedlung lassen sich hier erkennen. Zum einen die Hochhäuser, die wenigen Grünflachen und die Uniformität der Gebäude. In den letzten 15 Jahren ist die Einwohnerzahl auch stetig gesunken, da sich Ratingen zu einem sozialen Brennpunkt entwickelt hat. 45% der Menschen haben Migrationshintergrund und der Ausländeranteil in Ratingen West ist doppelt so hoch wie in Ratingen selbst. Die hohe Kriminalitätsrate und das daraus resultierende schlechte Image in der Presse sind einer positiven Stadtentwicklung nicht gerade förderlich. In den letzten Jahren hat man versucht in Freizeitangebote zu investieren und mit preiswertem Wohnen geworben. Ob die Großwohnsiedlung eine Zukunft hat, bleibt unsicher, da zunächst der ganze Stadtteil aufgewertet werden müsste, um wieder ein besseres Image zu bekommen.

Insgesamt hat uns die Exkursion nach Düsseldorf sehr gut gefallen und es war eine gelungene Führung durch die verschiedensten Stadttypen von
Düsseldorf und ihrer Umgebung. Dadurch wurde uns die Möglichkeit geschaffen, den Lernstoff zum Thema Stadtentwicklung zu vertiefen und uns so ein eigenes Bild von den verschiedenen charakteristischen Merkmalen einer Stadt zu machen.

(Bericht von Susanne Kühne und Saskia Mölders)

 
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